Zirkusprojekte und Corona

Zirkusprojekte und Corona

Circus Soluna Zirkusprojekte und das Coronavirus

Seit gestern gibt es erste Signale, dass Schulen ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Zunächst zwar eingeschränkt. Irgendwann aber, wird das vorbei sein und die Kinder gehen wieder zur Schule. Vorausgesetzt dass auch die Kontaktbeschränkungen gelockert oder aufgehoben werden, sind dann Zirkusprojekte wieder möglich – das ist gut so.

Wir glauben, dass Zirkusprojekte die Welt ein kleines Stück besser machen. Sie lassen Kinder erfahren, wie wertvoll Gemeinschaft ist, wie viel Spaß Bewegung macht und was Erstaunliches in jedem Einzelnen steckt. Das wird für unsere Kinder nach den Zeiten von Corona eine wichtige Erfahrung sein.

Damit Zirkusprojekte so bald wie möglich wieder stattfinden können, ist es wichtig, dass wir gemeinsam daran arbeiten. Es ist besser zum gegebenen Zeitpunkt bereits Antworten darauf zu haben wie ein Zirkusprojekt auch unter Einschränkungen möglich ist.

Wir müssen unsere Arbeit verändern

Da alle Beteiligten, Schulleitung, Lehrer, Eltern und wir keine Experten für Viruserkrankungen sind, orientieren wir uns im Folgenden an den Veröffentlichungen der maßgeblichen Stellen.

Unser Ziel ist es, mit sachlicher Information Ihnen belegbare Argumente an die Hand zu geben, die Ihnen eine verantwortungsvolle Entscheidungen ermöglichen. Die Bund und Länder haben am 15.4.2020 die Marschrichtung vorgegeben und ist dabei dem Rat der Experten unter anderem des RKI gefolgt.

Die für uns entscheidende Aussage ist:

„(…) in kleinen Schritten Freizügigkeit ermöglichen, (…) [wenn sie] (…) gut vorbereitet werden und in jedem Einzelfall durch Schutzmaßnahmen so begleitet werden, dass das Entstehen neuer Infektionsketten bestmöglich vermieden wird“

Im weiteren Verlauf des Textes werden die Bausteine dafür genannt:

1.) Identifikationsmöglichkeit möglicher Infektionsketten

2.) Infektionsschutzmaßnahmen (1,5m, Maske)

3.) Hygienemaßnahmen (RKI Vorgaben)

4.) Vermeidung von Warteschlangen

5.) Steuerung des Zutritts

6.) Ausschluß von Risikogruppen

7.) Ausschluß von Verdachtsfällen

8.) Regionale Dynamik beachten (-> Absprache mit dem örtl. Gesundheitsamt)

9.) keine Großveranstaltungen (lt. Wikipedia 100 tsd Besucher oder 5tsd gleichzeitig vor Ort)

Ein Schulleiter in Bonn hatte bereits kurz vor der Schließung in Abstimmung mit dem örtlichen Gesundheitsamt ein tragfähiges Konzept entwickelt. Dieses fließt hier ebenfalls mit ein – Vielen Dank, dafür! Ansonsten beziehen wir uns auf die oben genannten Punkte, die Empfehlungen des RKI und die Hygieneregeln der BzGA. Wir haben das Zirkusprojekt in drei Bestandteile zerlegt:

A) Der Aufbau, die Trainerakademie und das Training im Zirkusprojekt

Beim Aufbau des Zirkusequipments (Zelt oder Turnhalle) bauen wir zusammen mit den Eltern der später im Projekt teilnehmenden Kinder auf. Bei dieser Tätigkeit kommen Menschen zusammen, die zum Beispiel auch bei einem Elternabend zusammentreffen würden. Die Tätigkeit entspricht der nachbarschaftlicher Hilfe in Haus oder Garten. Die Anzahl der Teilnehmer ist überschaubar, die Namen sind bekannt, eine mögliche Infektionskette ist nachvollziehbar.

Beim Zirkustraining und den vorbereitenden Trainerakademien kommen in einer Schule die Menschen zusammen, die auch im normalen Schulalltag aufeinandertreffen. Die gemeinsamen Aktivitäten im Training und bei der Trainerakademie sind mit denen des Schulsports vergleichbar. Die Beteiligten sind bekannt. Hygienevorschriften können eingehalten werden.

Für diesen Teil unseres gemeinsamen Zirkusprojektes müssen Sie individuell und als Institution auf den verantwortungsvollen und disziplinierten Umgang jedes einzelnen Teilnehmers mit den Hygieneregeln setzen. Das entspricht Ihrem normalen Schulalltag.

Menschen mit einem erhöhten Risiko ist von einer Teilnahme abzuraten. Die Workshops bieten unterschiedliche Grade der Intensität des Kontaktes zwischen den Kindern untereinander und mit dem Trainer. Dies kann in die Planung und Besetzung der Workshops mit einbezogen werden.

Diese Zielgruppe können Sie vorab zusätzlich auf diesen Umstand hinweisen. Die Hygieneregeln finden sich auf den Seiten der BZGA. Einige Veröffentlichungen sind ins Englische oder Türkische übersetzt. Die Informationen stehen auch als altersgerechte Tafeln mit Piktogrammen zur Verfügung, was sprachliche Barrieren entschärft.

Diese Situation der trainierenden Kinder und der Trainer könne wir während der Vorstellung aufrecht erhalten. Die Artisten treten auf einer räumlich abgegrenzten Fläche (Manege) auf. Der Abstand zur ersten Reihe des Publikums kann mindestens 2 Meter betragen. Ein direkter Kontakt kann durch die Gestaltung der Programmpunkte vermieden werden. (keine Clowns im Publikum, keine Kinder als Kartenabreisser, kein Zuschauer als “Freiwilliger” in der Manege.

 

B) die abschließenden Vorstellungen der Kinder in Zirkuszelt oder Turnhalle

Bei der abschließende Vorstellung der Kinder kommen bis zu 400 Personen zusammen, um die Show zu genießen. Es gibt einige signifikante Unterschiede zu einer Großveranstaltung wie einer Messe oder einem Popkonzert. Diese werden deutlich, wenn wir uns im Folgenden mit den in den „Allgemeinen Prinzipien der Risikoeinschätzung und Handlungsempfehlungen für Großveranstaltungen“ des Robert Koch Instituts genannten Risikofaktoren auseinandersetzen:

Ein höheres Risiko kann basierend auf folgenden Kriterien angenommen werden bei:

1.) Eher risikogeneigter Zusammensetzung der Teilnehmer

  • Kommt eine größere Anzahl von Menschen zusammen, hohe Dichte?
  • Nehmen Menschen aus Regionen mit gehäuftem Auftreten von COVID-19-Fällen teil?
  • Nehmen Menschen aus anderen bekannten Risikogebieten teil?
  • Nehmen Menschen mit akuten respiratorischen Symptomen teil?
  • Nehmen ältere Menschen bzw. Menschen mit Grunderkrankungen teil?

Ja, es kommt eine größere Zahl von Menschen zusammen. Diese begeben sich in eine Zuschauersituation, ähnlich der im Theater oder Kino. Der Unterschied ist, dass das Publikum unserer Vorstellung anders zusammengesetzt sind, als beispielsweise das einer Theatervorstellung. Die Chance, dass jemand, der nicht sowieso mit der Schule verbunden ist, hineingerät ist gering

Der Anreiseweg und die Zielgruppe, ist anders als bei einer Messe, überschaubar. Man kann den Veranstaltungsort nur durch einen klar definierten Eingangsbereich betreten. Hier können die Abstandsregel eingehalten und Warteschlangen vermieden werden

Diese Risikofaktoren können wir beeinflussen, denn die Zahl und Art der Teilnehmer ist überschaubar und ansprechbar. Und das akut, sowohl im Einlass zur Veranstaltung als auch bereits im Vorfeld.

In Elternbriefen, beim Kartenverkauf und im täglichen Miteinander in Ihrer Schulgemeinschaft können Sie auf diese Risikofaktoren hinweisen und als Ausschlusskriterium für einen Besuch der Vorstellung formulieren. Das Tragen von Masken kann Bedingung für den Eintritt sein. Wir können so dazu beitragen, ältere Menschen zu schützen.

Gerne stellen wir einen Stream der Veranstaltung via Internet als Ersatz zur Verfügung, damit Großeltern ungefährdet das Geschehen von zu Hause aus beobachten können.

 2.) Eher risikogeneigter Art der Veranstaltung

  • Hohe Anzahl und Intensität der Kontaktmöglichkeiten?
  • Enge Interaktion zwischen den Teilnehmenden (z.B. Tanzen)?
  • Lange Dauer der Veranstaltungen?
  • Keine zentrale Registrierung der Teilnehmenden

In der bereits weiter oben erwähnte Zuschauersituation lassen sich von informierten Gästen auch diese Riskofaktoren vermeiden. Die Veranstaltung dauert mit längstens 90 Minuten nicht länger als 2 Schulstunden. Diese Zeit wird von einer Pause von 20 Minuten unterbrochen. Die Kernsituation “Zuschauen” besteht also für zwei mal 45 Minuten.

Wir können noch mehr tun. Es wäre ebenfalls in Absprache möglich, zwei Pausen zwischen 30 Minuten Blöcken einzubauen um auch diese Situation noch weiter zu entspannen.

Wir können die Zuschauerdichte dadurch verringern, dass wir je nach Veranstaltungsort, die Zahl der Zuschauer reduzieren. Dadurch gewinnen wir mehr Platz zwischen den Sitzmöglichkeiten. Damit Ihnen keine Einnahmeverluste entstehen, spielen wir dann öfter.

Eine Registrierung der Gäste lässt sich über den Vorverkauf und entsprechende Gästelisten bewerkstelligen. Damit sind Infektionsketten ebenfalls nachvollziehbar.

3.) Eher risikogeneigter Ort der Veranstaltung und Durchführung

  • Sind bereits Infektionen in der Region der Veranstaltung aufgetreten?
  • Gegebenheiten der Örtlichkeit: Indoor-Veranstaltungen, begrenzte Räumlichkeiten,
  • schlechte Belüftung der Räume ?
  • Begrenzte Möglichkeiten/Angebote zur ausreichenden Händehygiene
  • Bereitschaft des Veranstalters zur Kooperation und Umsetzung von Maßnahmen.

C) Der Veranstaltungsort

Hier sind wir gemeinsam gefordert, die Risikofaktoren zu minimieren. Der Virologe Professor Droste geht in seinem wirklich hörenswerten Podcast davon aus, dass sich die überregionale Ausbreitung des Corona Virus nur hinauszögern lässt. Wir können gemeinsam dabei helfen, Zeit zu gewinnen.

Bei den Zirkusvorstellungen muß es für Publikum, Trainer und Artisten vor Ort ausreichend Möglichkeiten geben, sich die Hände gründlich zu waschen. Wir werden selbst die Hygieneregeln mittels Aufsteller kommunizieren und freuen uns, wenn Sie das mit eigenen Aktivitäten unterstützen.

Eine gemeinsame Begehung der Örtlichkeiten vor Veranstaltungsbeginn bringt uns Gewissheit. Die laufende Überwachung der bereitgestellten Reinigungsmittel und Trockentüchern während der Vorstellung sollte eingeplant werden. Die Entsorgung von (z.B. benutzten Taschen- oder Trockentüchern) am Veranstaltungsort muss fachgerecht gewährleistet und laufend überprüft werden.

Eine gute Belüftung im Zirkuszelt können wir gewährleisten. Findet die Veranstaltung in einer Turnhalle statt, müssen wir uns darüber vor Veranstaltungsbeginn gemeinsam Gedanken machen und eventuell die Zuschauerzahlen jeder einzelnen Vorstellung reduzieren.

Die Stadt Köln hat eine Risikobewertungscheckliste herausgegeben. In Anlehnung daran finden Sie auf unserer Homapage im Kundenbereich eine Checkliste zum Thema Hygiene und Veranstaltungsrisiko bei Zirkusvorstellungen mit uns.

Zirkusprojekte möglich machen – für unsere Kinder

Sicherlich freuen Sie sich bereits genauso wie wir auf die wunderbare Zeit, die wir gemeinsam miteinander verbringen werden. Wenn wir so vorbereitet an unser gemeinsames Zirkusprojekt herangehen, steht einer verantwortungsvollen Durchführung unserer Meinung nach nichts im Wege.

Vielleicht sieht das Ganze dann am Ende etwas anders aus, als das Zirkusprojekt, welches Ihr bisher kennt. Das kann sein, aber ist das so wichtig?

Wir denken nein. Viel wichtiger ist es, dass unsere Kinder nach Wochen alleine auf der Couch vor den Bildschirmen wieder etwas miteinander machen. Sich ausprobieren, Spaß und Bewegung erleben, Gemeinschaft erfahren und sich so ein Stück Normalität zurückerobern.

Es wird Mut erfordern, ihnen das zu ermöglichen – aber keinen Leichtsinn. Deswegen ist es erforderlich, dass wir uns jetzt schon Gedanken machen, mit den Experten vor Ort, den Gesundheitsämtern in Kontakt treten und die Möglichkeiten aktiv erforschen.

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